Grindelwaldgletscher auf stetigem Rückzug

Praxis hat Theorie schon überholt! 
Artikel im "Echo von Grindelwald" vom 10.09.2003

fb. Dass die Erwärmung der Erdatmosphäre eine Tatsache ist, kann nicht mehr wegdiskutiert werden. Augenfällige Beweise liefern dazu unter anderem die Gletscher rund ums «Gletscherdorf» Grindelwald. Diesem aktuellen Thema gewidmet ist auch die Ausstellung «Achtung Klimawandel!» im Schweizerischen Alpinen Museum (Kasten).Nur gerade 18 Jahre - erdgeschichtlich ein Wimpernschlag - liegen zwischen diesen beiden Aufnahmen! Drängte im Jahre 1985 der Obere Grindelwaldgletscher noch kräftig talwärts, so hat er sich ab...

...Beginn der 1990er-Jahre unaufhaltsam und in rasantem Tempo zurückgezogen und ist vom selben Standort aus gerade noch knapp ersichtlich (Bildmitte). Millionen von Kubikmetern Gletschereis sind hier weggeschmolzen - Aufbauarbeit von Jahrzehnten! (fb)

Grindelwald und mit ihm auch andere Bergferienorte, die von ihrer Nähe zur Gletscherwelt «leben», befinden sich in einem Dilemma: Einerseits bescherte ihnen der heisse und trockene Sommer Rekordfrequenzen im Ferien- und insbesondere im Ausflugstourismus, und anderseits schmelzen bei meteorologischen Verhältnissen dieser Art seine exklusiven Ressourcen - die Gletscher - in geradezu beängstigendem Tempo dahin.


Markante Wende
Sehr eindrücklich ist diese Tatsache am Beispiel des Oberen Grindelwaldgletschers ersichtlich: Konnte hier ab Mitte der 1960er-Jahre noch ein markanter Vorstosstrend beobachtet werden, so fand dieser zu Beginn der 1990er-Jahre ein abruptes Ende und ging in eine noch markantere Phase des Rückzugs über, die bis heute unvermindert anhält. Sein Zungenende ist heute - wie jenes des Unteren Grindelwaldgletschers schon seit langer Zeit - nicht mehr ersichtlich von «aussen». Es liegt mehrere hundert Meter weiter zurück in der wieder zum Vorschein gekommenen engen Schlucht hinter dem markanten «Schopf», auf dem die mittels Leiternweg über 890 Holzstufen erreichbare «Gletscher-Bar» liegt. Während etlichen Jahren wurde ab diesem Punkt noch Zugang geboten in eine alljährlich neu ausgehobene Eisgrotte, doch musste in den letzten Jahren sogar auf dieses Angebot verzichtet werden: Das Eis hatte sich soweit zurückgebildet, dass ein gefahrloser Zugang nicht mehr gewährleistet werden konnte. Aber auch ohne effektiven Eiskontakt stellt die Gletscher-Bar nach wie vor ein viel besuchtes Ausflugsziel mit beeindruckendem Einblick in die erdgeschichtliche Vergangenheit dar.


Keine Einzelerscheinung
Der Gletscherschwund ist eine Feststellung, die ringsum an den Bergen von Grindelwald zu beobachten ist. So ist beispielsweise der Eiger im vergangenen Sommer zu einer «Dolomitenwand» geworden (wir berichteten) - selbst die klassichen Wandstellen wie Erstes, Zweites und Drittes Eisfeld sowie die Spinne sind bis auf kümmerliche Reste zurückgeschmolzen oder gar gänzlich verschwunden. Gross an Masse verloren hat auch der Untere Grindelwaldgletscher, die imposante Fiescherwand, die Nordflanke von Fiescherhorn und Ochs, ist fast vollständig ausgeapert und aus der «Heissen Platte» inmitten des Eises zu Füssen der Fiescherwand ist eine «heisse Wand» geworden. Die Gletscher befinden sich in der Tat in einer bedenklichen Schwundphase - und zurzeit besteht kein Grund zur Annahme, dass sich daran etwas ändern wird.


Ausstellung: «Achtung Klimawandel!» 
Gondo, Lothar, Elbehochwasser - immer häufiger geschehen Naturereignisse mit verheerenden Folgen - sind dies Folgen der Klimaveränderung? «Achtung Klimawamdel!», die neue Ausstellung im Schweizerischen Alpinen Museum (SAM) in Bern, informiert über die aktuellsten diesbezüglichen Forschungsergebnisse und zeigt mögliche Wege, um dem Klimawandel und den für die Bevölkerung drohenden Folgen entgegenzuwirken. Zielsetzung dieser Ausstellung ist es, eine breite Öffentlichkeit über die Zusammenhänge von Nutzung, Naturkräften und Klima zu informieren, insbesondere für den Alpenraum, dessen Entwicklung einerseits für weite Teile Europas bedeutsam und für viele Gebirgsräume der Welt exemplarisch ist. Der Besucher wird über Ursachen und Folgen informiert und aufgefordert, sich selber mit diesem Thema auseinander zu setzen.


Im Jahr 2004 fand im Schweizerischen Alpinen Mueseum, Helvetiaplatz 4, Bern eine Aussstellung zu diesem Thema statt. Link: www.alpinesmuseum.ch

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